Ich möchte in diesem Blog- Artikeln einerseits aus meiner Arbeit mit Familien und andererseits aus meiner Erfahrung als Vater berichten.
Zeit: eine der wichtigsten Faktoren, um eine sichere Bezugsperson zu sein, ist Zeit. Gerade in den ersten Jahren, wenn Bindung entsteht, ist Zeit, welche auch wirklich im Kontakt miteinander verbracht wird, kaum zu ersetzen. Ihr Kind ist in den ersten Jahren völlig auf Sie angewiesen und bindet sich an die Personen, die am meisten Zeit mit ihm verbringen.
Präsent sein und echter Kontakt: wirklich präsent zu sein, ist nicht selbstverständlich, gerade in der heutigen Zeit, in welcher Multitask scheinbar eine normale Anforderung zu sein scheint. Ich erachte es als unschätzbar wichtig, seine Gedanken und Gefühle zu beobachten und zu fokussieren. Mein Eindruck ist, dass Kinder einen Sinn dafür haben, ob man wirklich da ist, oder ob man innerlich abwesend und mit was anderem beschäftigt ist. Stellen sie sich vor, zwei Erwachsene treffen sich und der eine ist mit seinen Gedanken nicht präsent, selbstverständlich wird der andere dies realisieren und ansprechen. Genauso ist das mit Kindern, auch schon bei ganz Kleinen. Sie geben dir zu verstehen, „hey wir sind doch verabredet und wollten etwas zusammen erleben“.
Verlässliche Strukturen, Rituale: Kleinkinder, aber auch größere Kinder mögen Wiederholungen, weil ihnen dies Sicherheit gibt. Sie wissen was kommt. D.h. ich sorge dafür dass mein Kind in seinem Bedürfnis nach Sicherheit gesehen und ernst genommen wird. Auch wenn ich vielleicht selbst nicht so strukturiert bin oder mir selbst Rituale nicht wichtig sind, bemühe ich mich, dem Kind das zu bieten.
Aufmerksames und aktives Zuhören, ist eine Kunst für sich. Vielen Menschen fällt es schwer, wirklich hinzuhören, was ein anderer Mensch ihnen erzählt. Stattdessen verfällt man leicht den eigenen Gedanken und Interpretationen. Genauso kann es mit dem eigenen Kind ergehen. Wenn wir nicht wirklich interessiert sind, zu verstehen, was mein Kind mir gerade mitteilt, verpasse ich etwas ganz Wichtiges. Z.B. gehört hierzu, nicht zu bewerten, keine Urteile zu fällen und ungefragt Lösungsvorschläge zu machen. Wenn ich meine Sicht und meine Meinung einbringen will, dann frage ich zuerst, ob es dies hören möchte.
Wort halten. Wenn ich etwas sage, und es muss auch kein Versprechen sein, sollte ich Wort halten können. Wenn ich vieles sage und es nicht lebe, werde ich unglaubwürdig und unberechenbar. Aber gerade diese Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit, gibt unseren Kindern den sicheren Halt, den sie benötigen.
Modell. Du bist ein sehr wichtiges Modell im Leben deiner Kinder. D.h. erwarte nichts von deinem Kind, was du nicht selbst vorlebst. Ein typisches Beispiel erlebe ich mit Kleinkindern auf dem Spielplatz, z.B. wenn ein Kind sein Spielzeug nicht teilen will, sind die Eltern sofort zur stelle und fordern das Kind auf zu teilen und wenn es dies nicht tut, nehmen sie dem Kind manchmal das Spielzeug weg. Mal ehrlich, es gibt bestimmt einigen Menschen die bereit sind ihre Sachen zu teilen, aber ich bin mir sicher, dass dies nicht zur allgemeinen Kultur gehört, seine Sachen zu teilen.
Oder ein anderes Beispiel wäre wie du mit deinen eigenen Emotionen umgehst, hat direkten Einfluss auf dein Kind. Lerne, ruhig zu bleiben, wenn dein Kind wütend, laut oder trotzig ist. Wenn du mal die Geduld verlierst, entschuldige dich. Das zeigt Stärke, keine Schwäche.
Sage deinem Kind, dass du es bedingungslos liebhast. Kinder brauchen bedingungslose Liebe, um sich sicher und angenommen zu fühlen. Deshalb ist es wichtig, dass ich meinem Kind sage das ich es Liebe. Warum? Kinder werden viel zurechtgewiesen, oder erhalten Anleitungen, können wenig selbstbestimmen und fallen durch ihr Verhalten auf. Dies alles kann zu einem unsicheren Selbstbild führen, deshalb braucht das Kind einen Gegenpol dazu, welches an dieser Stelle die ausgesprochene bedingungslose Liebe ist.
Anerkennung im richtigen Maas. Kinder brauchen Feedback genauso wie Erwachsene. D.h. ein Lob an der richtigen Stelle, ist wichtig und hilfreich. Z.b. gilt es Bemühungen, oder Lernschritte anzuerkennen. Wenn aber das Kind z. B. den Lernschritt geschafft hat, dann sollte man mit dem Loben zurückhaltend sein, da dies beim Kind dazu führen kann, dass es nicht aus sich heraus motiviert bleibt, sondern sich abhängig macht, von außen motiviert zu werden.
Anforderungen stellen. Wenn ich mein Kind zu sehr beschütze, es schone, ihm zu viel abnehme und es dadurch in seiner Entwicklung hemme, dann bin ich in den Augen meines Kindes eine Autoritäre Person und kein sicheres Gegenüber. Dass bedeutet, sein Kind nur so viel zu beschützen wie nötig, soviel abnehmen wie nötig und dem Kind Anforderungen zu stellen, bei welchem es lernen kann und sich entfalten oder entwickeln kann. Aus meiner Erfahrung genügt es am Anfang schon, die kleinkindliche Neugier Dinge auszuprobieren, im Masse zuzulassen und zu ermöglichen. Wenn das Kind sich daran gewöhnt hat, dass es Partizipieren und ausprobieren darf, dann bleibt dieser Zustand (Forscherin) intakt.
Sich nicht auf der Loyalität und Liebe des Kindes ausruhen. Kinder lieben ihre Eltern und sind unglaublich loyal. Da Eltern sehr belastete Nervensysteme haben, kann es sein, dass man dies leicht vergisst. D.h. es ist unglaublich wichtig, dass Verhalten des Kindes versuchen zu verstehen und weniger zu bewerten. Kinder in jedem Alter reagieren auf ihre Eltern und sind darauf angewiesen, dass diese Eltern ihnen Verständnis und Austausch anbieten, statt zu Strafen oder zu Drohen.
Liebevoll Grenzen setzen. Sichere Bindung heißt nicht, alles zu erlauben, sondern liebevoll und klar zu führen. Sag klar, was für dich in Ordnung ist und was nicht, aber ohne Angst oder zu Drohen. Erkläre Zusammenhänge kindgerecht („Ich will, dass du gesund bleibst, deshalb…“).
Dem Kind Vertrauen und etwas Zutrauen: eine Beziehung entsteht und sie wächst jeden Tag. Dies führt zu Vertrauen zwischen beiden. D.h. aus Vatersicht, erlaube ich meinem Kind, sich zu entwickeln und mit seiner Umwelt zu experimentieren. Ganz wichtig ist es, dem Kind etwas zuzutrauen. So lernt es Mutig und selbstbewusst zu werden.
Mihály Szöcs 01.11.2025